Zur Person

Wie ich Gästeführerin wurde. Und was die Göttin Artemis damit zu tun hat.

 

Den Menschen die Schönheit und die Geschichte der eigenen Umgebung nahe bringen zu können, das muss wohl eine der erfüllendsten Aufgaben sein. Dies war der erste Gedanke als ich vor knapp zwei Jahren in der Zeitung einen Bericht über das 10-jährige Jubiläum des Gästeführerinnen-Vereins WESTBLICKE e. V. las.

 

Wäre das wohl auch etwas was für mich?

 

Zwar gab es zu diesem Zeitpunkt bereits viele engagierte Laien, die in den Heimatvereinen des Heinsberger Landes hervorragende Arbeit leisteten. Doch hatte ich - zusätzlich zu meinem Wunsch, mich in diesem Bereich zu engagieren - passenderweise einen Magister in Geschichte. Und als Historikerin könnte ich meine Interessen mit einer freien Zeitgestaltung perfekt in der Tätigkeit einer Gästeführerin vereinen.

 

Etwaige Bedenken zur Seite wischend kontaktierte ich die Damen von WESTBLICKE e. V. und erfuhr, dass in ihrem Verein nur Interessenten aufgenommen werden, die mindestens eine Grundausbildung gemäß den Richtlinien des „Bundesverbandes der Gästeführer in Deutschland“ (BVGD) absolviert haben – ein Qualitätsmerkmal. Die besagte Grundausbildung umfasst zahlreiche Schulungen und Besuche von Führungen, die durchaus zeit- und kostenintensiv sind. In Deutschland darf zwar grundsätzlich ein jeder Führungen anbieten, auch ohne besondere Kompetenzen oder Ausbildung und auch ohne die Zugehörigkeit zu einem Gästeführerverein. Der BVGD setzt jedoch gewisse Standards, die in Sternen (***) ausgedrückt werden und ein gleich bleibendes Kompetenzniveau bekunden.

 

Schnell war für mich klar: Ich wollte unbedingt mit den Damen von WESTBLICKE e.V. zusammenarbeiten. Übrigens: Wenn ich hier von Damen erzähle, liegt es daran, dass dieser Verein ursprünglich aus einem Projekt für Frauenförderung entstanden ist. Sollte ein Herr Mitglied werden wollen, wäre sein Geschlecht selbstverständlich kein Hinderungsgrund.

 

Zuerst nahmen mich die Damen zu einem Weiterbildungsseminar mit und anschließend besuchte ich viele Führungen, deren Teilnahme ich mir immer für die Zulassung zur Prüfung nach den Richtlinien des BVGD bescheinigen ließ. Dann kam das Angebot des Naturparks „Maas-Schwalm-Nette“, das ein „Naturtheater“-Projekt startete und mir die Möglichkeit bot, einige Zusatzqualifikationen zu erwerben. In diesem deutsch-niederländischen Projekt wurden die Teilnehmer über acht Monate in Wochenendseminaren zu Naturtheater-Führern geschult. Es wurden sowohl Kenntnisse über Natur- und Kulturgeschichte als auch Theaterfähigkeiten vermittelt. Ziel dieses Projektes war, Natur und Kultur zu einem Erlebnis in der Natur zu kombinieren. Denn häufig gehe es bei Führungen in der Natur nur um reine naturkundliche Wissensvermittlung, was nicht für jeden spannend ist.

Hierbei galt es hingegen die Landschaft als eine Quelle von Geschichten zu sehen.

 

Als ich vor der Aufgabe stand, Natur und Kultur auf unterhaltsame Weise zu verknüpfen, fiel mir Artemis, die jungfräuliche Göttin des Waldes und der Jagd ein, denn mir waren die alten griechischen Mythen seit meiner Kindheit vertraut. So arbeitete ich meine erste Führung aus, in der ich den Menschen die fast in Vergessenheit geratene olympische Götterwelt nahe bringe. Jetzt musste diese Führung, nach Beibringung benötigter Unterlagen sowie einer Erste-Hilfe-Bescheinigung, von den Gästeführerinnen von WESTBLICKE e. V. und auch von einer Mitarbeiterin der Wirtschaftsförderungsgesellschaft (WFG) „Heinsberger Land“ in einer praktischen Prüfung abgenommen werden. Mir schlug tatsächlich das Herz bis zum Hals, als ich meine Tour begann und bis zum Schluss hielt diese Aufregung an. Anschließend zogen sich die Damen zur Besprechung zurück. Jetzt kam es auf ihr Urteil an.

 

Ich war so froh, als Sie mir mitteilten, dass ich bestanden habe und in den Verein aufgenommen werden würde. Meinen ersten Stern (*) hatte ich erreicht.

 

Im Jahr darauf stellte der BVGD seinen „Weltgästeführertag“ unter das Motto: „Menschen, die Geschichte schrieben“. Und wie die meisten angeschlossenen Vereine, bot auch WESTBLICKE e. V. wieder dazu eine passende kostenlose Führung an. Für mich als Erkelenzerin war sofort klar: Ich biete eine Führung zu Anton Raky an, dem berühmten Tiefbohrpionier, der Erkelenz ins Zeitalter der Industrialisierung katapultiert hatte.

 

Als sich am Tag der Führung dann etwa 70 Personen, inklusive dem Bürgermeister von Erkelenz und einem Kamerateam von MyRegioTV einstellten, schwankte mein Selbstvertrauen schon ziemlich. Aber es ging alles gut und hat riesigen Spaß gemacht. Und solche und ähnliche Erfahrungen bereichern von nun an mein Leben als Gästeführerin.

 

Mit weiteren Seminaren zu Themen wie Methodik, Konfliktmanagement, nonverbale Kommunikation, Stimm- und Sprachtraining, Tourismuskunde, Führen von Menschen mit besonderen Bedürfnissen, rechtliche Rahmenbedingungen, vielen weiteren Besuchen von Führungen, Vorträgen und mit Studienreisen werde ich bald meinen zweiten und dritten Stern (***) erreicht haben.

 

In diesem Jahr arbeite ich eine allgemeine Stadtführung über Erkelenz aus. Ich werde sie „Von Tor zu Tor und mittendrin“ nennen, denn ich werde meine Gäste innerhalb der früheren mittelalterlichen Stadtbefestigung auf Straßen führen, die sich in ihrem Verlauf seit Jahrhunderten kaum geändert haben.

 

So bringe ich meinen Gästen die Schönheiten und Besonderheiten meiner Heimat nahe.

 

Auf meiner Facebook-Seite sind einige Informationen dazu zu finden.

Auf der Website von WESTBLICKE e. V. sind alle Termine der offenen Führungen einzusehen: www.westblicke.de

 

Alle Führungen sind natürlich auch individuell von Gruppen buchbar.

 

Auf Wiedersehen bei einer meiner Führungen oder bei meinen engagierten Kolleginnen von WESTBLICKE e. V.!

 

Ihre Simone Palloni